Ernährung

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Grundlagen der Koi-Ernährung: Nährstoffe, Hunger und der Umgang mit Stress

Mindestens eine Woche vor der InterKoi werden die Showfische nicht mehr gefüttert. Dies soll nicht nur das Transportwasser und das Wasser der Showbecken von Verunreinigungen durch Kot frei halten. Es hat auch gesundheitliche Gründe und soll die Tiere auf den Showstress optimal vorbereiten. Ein Anlass, die Zusammenhänge von Ernährung, Fischgesundheit und Stress aufzuzeigen.

Auch die Koi, die die japanischen Koizüchter für den Transport nach Europa vorbereiten, werden meist sogar mehr als eine Woche vorher nicht mehr gefüttert - wie lange, das hängt natürlich hauptsächlich vom Alter der Tiere ab. Man könnte daher auf die Idee kommen, dass Hungern bei erhöhtem Stress hilfreich ist. Warum ist das so?

Frage 1:Was passiert mit der Nahrung im Fisch? Die Grundbestandteile der Nahrung sind das Rohprotein (tierisches oder pflanzliches Eiweiß) Rohfette (Fischöle, pflanzliche Öle, Fette tierischer oder pflanzlicher Herkunft) und die Kohlenhydrate (in der Regel pflanzlicher Herkunft). Der Rest sind Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und schließlich der unverdauliche Anteil, meist pflanzliche Rohfasern oder auch Chitinhüllen von tierischem Plankton oder Nährtieren beispielsweise Seidenraupenpuppen und Shrimps. Im Darm wird die Nahrung bei der Verdauung aufgeschlossen in die Grundbestandteile, die im Körper für verschiedene Zwecke verwendet werden können (vereinfachte Darstellung).

Eiweiß In optimaler Zusammensetzung (Fischmehr): Aufbau der Muskulatur, Wachstum, Aufbau von Enzymen und Teilen des Immunsystems. Abbau zum Zwecke der Energiegewinnung (z. B. im Winter, wenn die anderen Energiereserven erschöpft sind). In mangelhafter Zusammensetzung (Seidenraupen, pflanzliche Eiweiße in zu großer Menge): Nutzung zur Energiegewinnung, nur eingeschränktes Wachstum, hohe Ammoniakausscheidung wegen mangelhafter Ausnutzung im Körper, Soffwechselstörungen wie Organverfettungen oder -degenerationen.

 

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Fette leicht verdauliche Fette und Öle: Sie sind direkt als hochwertige  Energieträger einsetzbar oder werden zum Aufbau von leicht mobilisierbaren Fettreserven in der Leber, dem Auge, dem Gehirn und der Muskulatur eingelagert. Bei Überschuss droht Verfettung der Organe und Fetteinlagerung im Bauchraum und Fettausscheidung über den Kot.schwer verdauliche Fette (langkettige gesättigte Fettsäuren): Verfettung, festes, schwer mobilisierbares Körperfett im Bauchraum

Kohlenhydrate Sie stammen aus pflanzlichen Quellen wie Getreide, Mais, Kartoffeln, Reis oder Hülsenfrüchten. Sie sind direkte Energielieferanten für den gesamten Stoffwechsel (Fortbewegung, Wachstum, Fortpflanzung, Energiestoffwechsel des Gehirns, der Nieren, der Leber, des Herzens usw.). Nach der Verdauung erscheinen die Kohlenhydrate als Blutzucker im Blut. Dieser wird in den Organen als "Treibstoff" für den Stoffwechsel gebraucht, oder als Glykogen vor allem in der Leber gespeichert. Bei Überschuss werde sie nicht mit dem Kot ausgeschieden, sondern zu Fett umgebaut und als Körperfett abgelagert und gespeichert. Diese Fette sind meist schwer mobilisierbar.

Rohfaser Ist unverdaulich und wird mit dem Kot ausgeschieden. Trotz der Nutzlosigkeit als Nahrungsmittel ist sie wichtig für die Darmgesundheit und den pH-Wert im Darm. Sie sorgen dafür, dass der Nahrungsbrei nicht zu lange an einer Stelle im Darm liegen bleibt und ein gutes Volumen erhält. Die Wahl der Rohfasern kann die Stabilität des Kotes beeinflussen.

Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe Sie sind lebenswichtige Bestandteile der Nahrung, die das Immunsystem, den gesamten Stoffwechsel (Enzyme und Co-Enzyme) und den Sauerstofftransport in den roten Blutkörperchen erst ermöglichen. Speicherung und Aufbau im Körper sind nur stark eingeschränkt möglich, daher müssen sie laufend mit der Nahrung aufgenommen werden.

Frage 2: Was braucht ein Koi zur optimalen Nährstoffausnutzung? Die Verdauung selbst, besonders jedoch die von Kohlenhydraten, erfordert möglichst sauerstoffgesättigtes Wasser schnell und effektiv aufnehmen können. Liegen niedrige Saustoffwerte vor (zum Beispiel nachts im Sommer in veralgten Teichen), kann die Nahrung nicht vollständig verdaut werden und die Ausscheidung ungenutzter Nährstoffe steigt an. Dies sind nicht nur unverdaute Stoffe im Kot, sondern gerade auch Ammoniak aus dem (unvollständig abgelaufenen) Eiweißstoffwechsel. All diese ungenutzten Nährstoffe belasten daher nicht nur den Teich und den Filter, sondern auch in hohem Maße die Kiemengesundheit und Sauerstoffaufnahme in den Körper. Niedrige Sauerstoffwerte (unter 40%) führen daneben zu einer Erhöhung der Atemfrequenz und zu einem höheren Energieverbrauch für die Atmung. Diese Energie steht dem Körper dann nicht mehr für andere wichtige Funktionen (Immunsystem, Verdauung) zur Verfügung. Nicht nur im Sommer in der Nacht, sondern auch durch zu große Futtermengen oder hohe Nitritwerte (blockieren die Sauerstoffaufnahme in den Körper) oder im Winter unter dem Eis kann der Energiehaushalt durch zu niedrige Sauerstoffwerte im Wasser extrem belastet werden.

Frage 3: Was hat das mit Stress zu tun? Akuter Stress entsteht meist in lebensbedrohlichen Situationen und ist überlebensnotwendig. Die Reaktionen im Körper laufen in allen höheren Lebewesen gleichartig ab: Vom Gehirn aus wird durch Hormone die Nebenniere dazu angeregt, die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin auszuschütten. Diese beiden Hormone verändern extrem schnell vieles im Körper: Die Atmung wird beschleunigt (um den Sauerstoffgehalt im Blut zu erhöhen und die Sauerstoffversorgung der Muskeln zu optimieren), der Herzschlag wird beschleunigt, dadurch wird mehr Blut in die Muskeln und Organe gepumpt. Die Muskelaktivität steigt schnell an und Höchstleistungen werden möglich. Zur Verbesserung der Nähstoffsituation in der Muskulatur steigt der Blutzuckerspiegel: Das in der Leber gespeicherte Glycogen wird in Zucker aufgespalten und versorgt die Muskulatur mit Energie. So lange genügend Reserven vorhanden sind, ist akuter Stress (maximal über einige Stunden) keine Bedrohung der Gesundheit; eine Erholung je nach Stresshormonspiegel ist nach Abklingen des Stresses schnell möglich. Chronischer Stress dagegen führt zu einer Umstimmung der hormonellen Situation im Körper: Das Kortisol ist das Hormon, welches den chronisch gestressten Körper bestimmt. Kortisol-Ausschüttung führt zwar auch dazu, dass der Blutzuckerspiegel erhöht wird und dieser dauerhaft bleibt. Dies jedoch durch Fett- oder im schlimmsten Fall Muskelabbau zu Zucker. Gleichzeitig "kostet" diese Art der Energiegewinnung viel: Das Wachstum wird eingestellt, das Immunsystem wird unterdrückt und die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten steigt. Chronischer Stress ist beispielsweise zu erwarten, wenn die Wasserwerte über mehrere Wochen schlecht sind. Auch nach dem Import sind Koi noch für ca. drei bis vier Wochen sehr anfällig für Infektionskrankheiten.

Frage 4: Was bedeutet das für die Fütterung meiner Fische? Wenn man Koi für chronische Belastung wie einen Teichumbau, den Winter oder eine Koi Show vorbereiten will, sollten sie einige Wochen vorher hochwertiges Futter in ausreichender Menge bekommen. Ausreichend sind bei 20 bis 24°C ein Prozent des Lebendgewichtes, bei Wassertemperaturen darüber oder darunter 0,5 bis 0,7 Prozent. Das Futter sollte nicht mehr als 32 Prozent Eiweiß und etwa sechs bis acht Prozent Fischöl aufweisen. Wachstum erfordert zusätzlich optimale Sauerstoffwerte am Tag und in der Nacht. Wachstum kann dann eine Belastung sein, wenn es mit zu viel Futter erzeugt wird. Fische als kaltblütige Lebewesen können ein Kilo Zuwachs mit weniger als einem Kilo Futter erzeugen, da sie keinen Energiebedarf für die konstante Körpertemperatur haben. Füttert man zu viel, führt dies zu Verfettung und einer Verschlechterung der Mobilisierbarkeit der Fettdepots. Der Körper wird zu wenig Glykogen- und zu viel Fettreserven bilden und kann dadurch auf akuten Stress nicht mehr gut reagieren. Chronischer Stress dagegen wird den Energiehaushalt mit der Abschmelzung der Fettreserven stark belasten, was besonders zu Lasten des Immunsystems geht. Chronisch gestresste Fische werden am besten für eine Woche gar nicht gefüttert (Ausnahme: Babies, also Koi unter 20cm). Danach sollte man ein Futter anbieten, das den Energiestoffwechsel stützt und keinen Aufwand im Körper für Fettdepots oder Wachstum erzeugt. Das wäre zum Beispiel Weizenkeimfutter (hoher Anteil leicht verdaulicher Kohlenhydrate). In der Innenhälterung, nach dem Import oder im Handel, ist dies das Futter meiner Wahl. Auch wenn der Mensch mit dem Koi über das Futter am besten in Kontakt kommt: Weniger Futter wäre in den meisten Koi-Teichen mehr und würde zu besserer Kiemen- und Fischgesundheit führen. Ähnlich wie bei verfetteten Menschen sind auch verfettete Fische nicht so stress-belastbar wie gut und ausreichend ernährte. An dieser Stelle kann man durch eine geeignete Aufbewahrung des Futters (im Kühlschrank und dunkel) oder durch kleine Futtertüten (und somit frischeres Futter) wesentlich mehr für die Gesundheit seiner Koi tun als durch zu große Mengen an Leckerbissen und Futter. Seidenraupen sind beispielsweise kein gesundes Lebensmittel für Koi, wenn nicht auch Futter mit optimaler Eiweißzusammensetzung gefüttert wird. Sie sind extrem fetthaltig und werden von den Koi in den meisten Teichen nich vollständig verdaut. Auch konnte ich in den vergangenen Jahren sehen, dass stark aufgefettete Futtermarken (42 Prozent Eiweiß und 12 bis 14 Prozent Fett) häufig in der gleichen Menge gefüttert werden wie mageres Weizenkeimfutter ("wheat germ"). Das ist von Seiten der Kalorienzufuhr etwa der Unterschied zwischen Sahnetorte und Knäckebrot. Daher ist mit den fetteren, kalorienreichen Futtern Vorsicht geboten: Sie müssen sich an andere, angemessene Futtermengen gewöhnen! Für die Urlaubszeit und den Teichumbau gilt: Besser drei Wochen hungern, als bei schlechten Wasserwerten chronischen Stress bei Fütterung aushalten. Für erwachsene Koi ist die gesündeste Möglichkeit, Stress unbeschadet zu überstehen, über einige Wochen (maximal drei) nicht gefüttert zu werden.

 

Quelle: KLAN